Die unglaublichen Mengen, welche laut den vorliegenden Statistiken um 1860 importiert wurden, waren schon um 1900 nicht mehr realisierbar. Die Vorräte, welche zum Teil mehrere hundert Jahre alt waren, waren nach knapp 50 Jahren intensiver Ausplünderung der afrikanischen Stämme durch die Kolonial-staaten erschöpft. Die erwähnten Mengen wurden allerdings nicht ausschließlich frisch gejagt, wie allgemein angenommen. Es war vielmehr so, dass die erwähnten Stoßzähne sich in den Lagergruben der einzelnen Dörfer befanden und lediglich abtransportiert werden mussten. Der Handel mit Elfenbein existierte ja schon seit der Antike auf den alten Handelswegen überr die Nilinsel Elephantine bis nach Asien. Allen voran, hatte König Leopold II von Belgien mit unvorstellbarer Brutalität, auch der Bevölkerung gegenüber, den Kongo ausgeplündert. Joseph Conrad hat in seinem Roman "Herz der Finsternis" eine authentische Schilderung der damaligen Zustände in den Kolonien abgeliefert. Um 1910 hatte sich der Preis für Rohelfenbein wegen der Material-verknappung verzehnfacht. Er entsprach damals einem Kg Preis von rund 200,00 €.Die vielen Gebrauchsgegenstände aus Elfenbein waren zu diesen Preisen nicht mehr zu verkaufen. Die meisten Hersteller wichen dann auch auf die neuen Kunststoffe, wie Celluloid und Galalit aus. Elfenbein war damit ab ca. 1910 wieder ein reiner Edelrohstoff, wie schon vor der Kolonialzeit mehrere Jahrtausende lang ebenso. Knapp 50 Jahre später hatte der Verbrauch weltweit wieder Mengen erreicht, welche die Elefantenbestände in Afrika bedrohlich dezimierten. Diesmal wurden ja nicht Altbestände verwendet, sondern der Nachschub wurde vor Ort geschossen und verauktioniert. Grund war zu Beginn der 50er Jahre ein niedriger Kg-Preis, der Ende der 80er Jahre seinen Höhepunkt mit rund 200,00 € pro Kg erreichte. Statt Gebrauchsgegenständen wie vor 100 Jahren waren nun Elfenbeinschmuck und Accessoires das Hauptgeschäftsfeld. Immer mehr Hersteller, die vorher nur kleine Mengen Elfenbein qualitativ hochwertig, in Handarbeit verarbeiteten, expandierten. In diesen 30 Jahren hatte sich aus einem Handwerk eine Industrie entwickelt. Speziell für die Schmuckverarbeitung von Elfenbein wurden Maschinen entwickelt, um große Mengen Rohmaterial maschinell zu verarbeiten. Kaufhausketten und Juweliere hatten Elfenbeinprodukte im Sortiment. Nach dem Handelsverbot 1990 verschwanden diese Produkte schlagartig aus den Vitrinen. Der Markt war über Nacht zusammengebrochen. Die bis heute geltende Regelung für den Handel mit Altbeständen war für eine Massenproduktion nicht mehr interessant. Das Umweltbewusstsein des Konsumenten hat sich speziell in Europa und den meisten westlichen Ländern gewandelt und ist auch, was die Zukunft anbetrifft stabil. Ein Rückfall in alte Zeiten ist in Europa nicht mehr zu befürchten. Eine Verarbeitung von Elfenbein wird nur noch unter bestimmten Umständen toleriert. Heute werden von diesen Altbeständen in der BRD noch ca. 150-300 Kg im Jahr verarbeitet. Vorwiegend werden davon hochwertige Arbeiten hergestellt, für die keine Ersatzmaterialien in Frage kommen. In Europa gibt es noch immer eine Anzahl von hervorragenden Handwerkern, welche bewusst mit traditionellen Werkzeugen in der alten Art und Weise arbeiten und auch den Wert des Materials Elfenbein zu schätzen wissen. Man schätzt die aktuellen Bestände in der EU auf ca. 40-50 Tonnen. Das heisst, dass bei entsprechendem vorsichtigem Einsatz der Altbestände und keinem Verkauf von Rohmaterial in nicht EU Länder für noch ca. 30 - 50 Jahre Elfenbein verfügbar wäre. Die Preise für Rohelfenbein bewegen sich je nach Qualität und Abmessung zwischen 35,00 € und 250,00 € per Kg. Die Kriterien für die Qualitätsbeurteilung haben sich auch nach 100 Jahren nicht geändert. Die bei H.A. Meyer beschriebenen Eigenschaften des Elfenbeins, gelten auch heute noch. Herkunft,Transportart und Lagerung sind aber heute weit wichtiger. Ausstellungszähne, oder Material welches per Luftfracht gekommen ist, sind praktisch für den Verarbeiter wertlos. Lagerware kann aber Höchstpreise erzielen. Preisangaben von 800,00 $ per Kg, in den Herkunftsländern, wie oft in in den Printmedien veröffentlicht, sind allerdings, warum auch immer, als schlecht recherchiert einzustufen und entbehren jeder Grundlage. Bei der Umweltorganisation " Traffic " sind die aktuellen Statistiken zum Elfenbeinhandel weltweit, sehr gut und seriös dokumentiert. Einmal davon abgesehen ist jedoch die aktuelle Problematik bei Rohstoffen in Afrika, nicht nur was den Handel mit Elfenbein anbetrifft, brisanter denn je. Der Tiger ist erwacht und China scheint schon in den Fusststapfen von Leopold II. zu stehen. Das Herz der Finsternis" könnte Chinas neue Bibel sein.